Hintergrund und Relevanz:
Biodiversität – eine neue strategische Herausforderung

Als Kantonalbank hat die FKB den Auftrag, die wirtschaftliche Entwicklung des Kantons Freiburg zu fördern und gleichzeitig die Lebensqualität seiner Einwohnerinnen und Einwohner zu erhalten. Gemäss den Erkenntnissen des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) und der IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, ein 2012 gegründetes unabhängiges Organ) sind die Zubetonierung und die Fragmentierung der Böden die Hauptursache für den Biodiversitätsverlust in der Schweiz.

Die Bank ist sich bewusst, dass die Umwelt nicht nur ein Anliegen des Naturschutzes ist, sondern auch einen grundlegenden wirtschaftlichen Wert darstellt. Die Zerstörung von Ökosystemen (Wasser, Böden, Bestäubung) birgt ein erhebliches finanzielles Risiko für bestimmte Schlüsselbranchen unserer kantonalen Wirtschaft (Landwirtschaft, Tourismus, Bauwesen).

Vor diesem Hintergrund und im Anschluss an die im Laufe des Jahres 2025 durchgeführte Analyse der doppelten Wesentlichkeit wurde die Biodiversität offiziell als für die Bank relevantes Thema anerkannt. Als regionale Akteurin im Finanzsektor ist sich die FKB der Notwendigkeit bewusst, zur Verringerung der Ursachen für den Biodiversitätsverlust beizutragen oder diesen sogar umzukehren.

 

Unsere aktuelle Priorität: quantifizieren, um zu verstehen

Da die Thematik für die FKB relativ neu ist, besteht die vorrangige Herausforderung aktuell darin, die Auswirkungen ihrer Aktivitäten auf die Ökosysteme und damit auf die Biodiversität genau zu erfassen.

Zu diesem Zweck führte die Bank 2025 eine erste umfassende Analyse ihrer Umweltauswirkungen über 20 verschiedene Kategorien hinweg durch. Ermöglicht wurde diese Arbeit durch eine innovative Umweltbilanz, die auf den ursprünglich für die CO2-Bilanz erhobenen Daten basiert.

 

Über den CO2-Fussabdruck hinaus: Messung der Gesamtauswirkungen (UBP-Methode)

Da sich die Bank bewusst ist, dass die ökologischen Herausforderungen – insbesondere der Biodiversitätsverlust – sich nicht allein auf Treibhausgasemissionen (CO2), beschränken, beschloss sie, die Messung ihres ökologischen Fussabdrucks auszuweiten.

Um diese Auswirkungen präzise und realitätsnah für unsere Region zu ermitteln, wendet die FKB die Schweizer Methode der Umweltbelastungspunkte (UBP) an. Diese vom Bund (insbesondere über die KBOB und das Reffnet-Netzwerk) empfohlene Methode zeichnet sich durch ihren auf mehreren Kriterien basierenden Ansatz aus.

 

Das Prinzip der «ökologischen Knappheit»

Im Gegensatz zu einer einfachen CO2-Bilanz bewertet die UBP-Methode die Auswirkungen der Bank anhand von rund 20 Umweltparametern, darunter Luft- und Wasserverschmutzung sowie Flächennutzung. Das Verfahren ist besonders aussagekräftig: Es wertet die Rohdaten der Geschäftstätigkeit aus, indem es sie mit den von der Schweiz festgelegten kritischen Schwellenwerten und Umweltzielen vergleicht.

Je stärker sich also eine Tätigkeit einer ökologischen Schwelle nähert, die auf nationaler Ebene nicht überschritten werden darf (z. B. der Grenzwert für die PM10-Feinstaubbelastung), desto höher sind ihre «Kosten» in UBP. Diese Umrechnung liefert eine einheitliche, eindeutige und leicht verständliche Messung: Die Verringerung der Gesamtzahl an UBP belegt eine tatsächliche Verringerung unserer Gesamtbelastung für die Umwelt und die biologische Vielfalt.

 

Wissenschaftliche Genauigkeit und betriebliche Effizienz

Die Wahl dieser Methode hat einen grossen praktischen Vorteil. Die UBP-Methode stützt sich auf exakt denselben Erfassungsbereich und dieselben Rohdaten (Verbrauch, Einkäufe, Fahrten) wie die für die CO2-Bilanz erhobenen Daten, mit Ausnahme der finanzierten Emissionen.

Durch Verknüpfung der Daten aus ihrer CO2-Bilanz mit den Einflussfaktoren der weltweit anerkannten wissenschaftlichen Referenzdatenbank ecoinvent (in der Schweiz entwickelt) erzielt die Bank den grösstmöglichen Nutzen aus ihren Datenerhebungsbemühungen. Dank dieser Synergie können wir von einer reinen CO2-Bilanzierung zu einem echten ganzheitlichen Management der Umweltauswirkungen übergehen – und zwar auf effiziente und anerkannte Weise.

 

Ergebnisse des Gesamtfussabdrucks: die vier wichtigsten Auswirkungen

Durch die Anwendung der UBP-Methode (ökologische Umweltbelastungspunkte) auf die Betriebsdaten konnte die Bank ihren ökologischen Fussabdruck über den reinen CO2-Ausstoss hinaus präzise erfassen.

Die Ergebnisse dieser ersten Analyse zeigen, dass sich die Auswirkungen der FKB hauptsächlich auf vier grosse Kategorien konzentrieren:

  • Auswirkungen auf das Klima (49%): Es handelt sich um die Auswirkungen der Treibhausgasemissionen (CO2, Methan usw.). Für die Bank schlagen sich diese Auswirkungen wirtschaftlich in physischen Risiken (Wertminderung von Immobilienvermögen aufgrund klimatischer Ungewissheiten) und Übergangsrisiken (regulatorischer Druck auf die mit fossilen Energien verbundenen Vermögenswerte der Kundschaft) nieder. Pendelfahrten (48%) und die Wärmeerzeugung (28%) sind die Hauptursachen für die Auswirkungen auf diesen Faktor in der operativen Bilanz der FKB. Der Mobilitätsplan, dessen Hauptziel die Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs auf den Fuss- und Veloverkehr sowie den öffentlichen Nahverkehr ist, dürfte dazu beitragen, diese Auswirkungen zu verringern, ebenso wie der Austausch der Heizungsanlagen und der geplante Anschluss des Hauptsitzes an das Fernwärmenetz.
  • Bodennutzung (18%): Diese Kategorie betrifft die Umwandlung von Böden (Landwirtschaft, Urbanisierung, Infrastruktur), die zur Verringerung und Zersplitterung artenreicher Naturräume führt. Die wichtigsten Auswirkungen der Aktivitäten der Bank auf vorgelagerte Bereiche betreffen die Herstellung von Druckpapier. Im nachgelagerten Bereich (der in der CEA-Bilanz der Geschäftstätigkeiten nicht berücksichtigt wird und mit Scope 3.15 zusammenhängt) ist ein Einflussfaktor angesiedelt, der eng mit dem Kerngeschäft der Bank verbunden ist: die Immobilienfinanzierung mit den damit verbundenen Risiken (Hochwassergebiete, städtebauliche Auflagen) und Chancen (Finanzierung von Sanierungen).
  • Verbrauch von Energieressourcen (9%): Der Verbrauch von Energieressourcen ist hauptsächlich auf die intensive Nutzung fossiler Energieträger (Erdöl, Erdgas, Kohle) und zu einem geringeren Teil auf die Nutzung erneuerbarer Energien zurückzuführen. Für den Bankensektor besteht die grösste Herausforderung in der Volatilität der Energiepreise, die die Geschäftskundschaft schwächen kann, sowie in der Rolle in der Finanzierung des Übergangs zu einer grünen Infrastruktur. Die Auswirkungen der Bank auf den Energieverbrauch sind hauptsächlich auf den Pendlerverkehr (50%) und die Wärmeerzeugung (31%) zurückzuführen.
  • Luftverschmutzung (9%): Die Verschmutzung entsteht hauptsächlich durch den Verkehr, die Industrie und Heizungen (Feinstaub, Stickoxide) und schadet der menschlichen Gesundheit sowie den Ökosystemen. Im Zusammenhang mit den Aktivitäten der FKB wird die Luftverschmutzung überwiegend durch den Pendlerverkehr verursacht (58%), insbesondere durch Feinstaubemissionen von Autos, vor allem von Dieselfahrzeugen.

 

Sensibilisierung und Perspektiven für 2026

Die Erreichung dieser Ergebnisse markiert einen wichtigen Meilenstein und einen echten Bewusstseinswandel für die FKB. Anhand von Zahlen wird bestätigt, dass Umweltverantwortung und finanzielle Risiken miteinander verknüpft sind und von vielen Faktoren abhängen.

Die Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsprüfung stehen in engem Zusammenhang mit den Ursachen für Treibhausgasemissionen (Heizung und Mobilität auf Basis fossiler Brenn- und Treibstoffe). Dadurch wird die Relevanz des zur Senkung der Emissionen der Bank vorgesehenen Dekarbonisierungsplans bestätigt. Bei der Kreditvergabe ermöglicht es die Kreditpolitik der FKB, die Finanzströme in diese Richtung zu lenken, indem insbesondere folgende Sektoren von neuen Finanzierungen ausgeschlossen werden: Bergbau, fossile Energien und Palmöl.

Eine Reduktion des Verbrauchs fossiler Brennstoffe wird automatisch auch andere Auswirkungen auf die Umwelt und die Biosphäre verringern und somit der Biodiversität insgesamt zugutekommen. Die Eindämmung des Klimawandels ist dabei einer der wirksamsten Hebel, da dieser eine der Hauptursachen für den Rückgang der Artenvielfalt darstellt.

Die Bank hat sich dafür entschieden, diese Thematik pragmatisch anzugehen. Sie ist sich bewusst, dass diese erste Bestandsaufnahme der Auswirkungen nach der UBP-Methode nun eine gründliche Analyse der internen Prozesse und Portfolios erfordert, um die Situation vollständig in den Griff zu bekommen.

Aus diesem Grund wird 2026 eine eingehende Prüfung dieser Situation vorgenommen. Die FKB will:

  1. besser verstehen, wie sich Finanzierungsentscheidungen konkret auf die Landnutzung und die Umweltverschmutzung auswirken;
  2. konkrete und realistische Massnahmen zur Minderung dieser besonders gravierenden Auswirkungen festlegen;
  3. die Erhebung interner und externer Daten so strukturieren, dass die neuen Anforderungen des GRI-Standards 101 (Biodiversität) umfassend erfüllt werden, wobei die bisher fehlenden Daten beschafft werden.

 

Umfang der Analyse (Geschäftstätigkeit vs. Finanzierung)

Es sei darauf hingewiesen, dass die bisherige UBP-Analyse hauptsächlich die Auswirkungen der direkten Geschäftstätigkeiten und der vorgelagerten Lieferkette (Einkauf, Infrastruktur, Reisen) abdeckt. In Übereinstimmung mit den Empfehlungen der GRI arbeitet die Bank daran, diese Massnahme schrittweise auf die nachgelagerte Wertschöpfungskette auszuweiten, d. h. auf die Auswirkungen, die durch das Kredit- und Anlageportfolio verursacht werden.